Es ist eine Szene, die mehr über Harrison Ford sagt, als jedes Interview. Als Indiana Jones wird er im „Jäger des verlorenen Schatzes“ auf einem Basar zum Kampf gefordert. Sein arabischer Gegner lässt einen großen Krummsäbel bedrohlich kreisen – und im Gesicht von Indy zeigt sich Erschöpfung und Unsicherheit. Er hat nur seine Peitsche in der Hand und wirkt hoffnungslos unterlegen. Dann verändert sich der Gesichtsausdruck bei Indy. Er wirkt trotzig und verächtlich, zieht eine Pistole aus dem Holster und schießt. Noch bevor der Säbelschwinger zusammenbricht hat sich Indy ganz cool abgewendet und lässt die fassungslosen Basarbesucher zurück.
Hier hat Harrison Ford einfach genial gespielt – doch diese Szene ist auch deswegen so glaubwürdig, weil Ford wirklich keine Lust auf einen langen Kampf hatte. Der Schauspieler war krank und konnte den Regisseur dazu überreden, bei dieser Szene das ursprüngliche Drehbuch zu ändern. Der Regisseur war Steven Spielberg – und der lässt sich von seinen Schauspielern eigentlich nie in den Ablauf einer Szene hineinreden. Heute ist diese kurze Filmszene berühmt, doch ohne Harrison Ford wäre sie ganz anders verlaufen. Das zeigt, wie sehr Harrison Ford einen Film prägen kann – und manchmal werden bei ihm die Rolle und das Leben auch eins. Die Narbe am Kinn von Harrison Ford stammt von einem Autounfall, bei „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ wird diese damit erklärt, dass der junge Indy ungeschickt mit der Peitsche war. Bei anderen Schauspielern werden solche Narben überschminkt, bei Ford werden sie Teil der Rolle.
Kaum zu glauben, dass der berühmte Harrison Ford keinen guten Start im Filmgeschäft hatte. Ohne seine Arbeit als Zimmermann hätte er als junger Schauspieler in Hollywood nicht überleben können, denn häufig war Harrison Ford nicht die erste Wahl von Regisseuren und Produzenten. Bei „Jäger des verlorenen Schatzes“ wurde Tom Selleck für die Rolle des Dr. Henry Walton Jones vom Regisseur favorisiert. Doch Selleck war bei der Serie Magnum unabkömmlich, erst dadurch erhielt Harrison Ford seine Chance. Wie Indiana Jones mit Tom Selleck als Hauptdarsteller geworden wäre, dass kann man sich ansehen: In einer Magnum-Folge spielte Selleck eine Parodie auf Indiana Jones – mit Hut und Peitsche. Für die Magnum-Folge gibt es zwei deutsche Titel: „In der Höhle des Todes“ (ARD) und „Eine Legende lebt“ (RTL).
Auch durch seine Darstellung des Archäologen Dr. Jones wurde Harrison Ford zu einem der gefragtesten Schauspieler in Hollywood. 2008 kehrte er in der Rolle des Indiana Jones noch einmal auf die Kinoleinwand zurück – und konnte erneut einen weltweiten Erfolg feiern. Selbst die Rückkehr der Hüte in der Männermode wird Harrison Ford zugeschrieben – keine Frage, der Mann hat nicht nur seine Rollen, sondern auch seine Zeit geprägt. Wir wünschen Harrison Ford alles Gute zum 70. Geburtstag!