Erst das HTC One und nun das Samsung Galaxy S4 – die neuen Android-Phones wirbeln gehörig viel Staub auf. Und was ist mit Apple?
Das Galaxy S4 – Samsungs neues Flaggschiff
Lange Zeit war Apple Vorreiter innovativer Designs und softwareseitigen Schmankerln. Nicht umsonst haben Samsung mit S Voice und Google mit Google Talk die revolutionäre Sprachsteuerung Siri unverzüglich nachgeahmt. Doch scheint Apple diese Vorherrschaft erst einmal abgelegt zu haben… und der am 14.03.2013 vorgestellte Nachfolger des Samsung Galaxy S3 positioniert sich an der Führungsspitze.
Mit dem Galaxy S4 hat Samsung erneut ein Smartphone gebaut, das die technischen Grenzen neu absteckt, wie Andreas Seeger in einem ersten Test von Androidpit sagt. Es sei nicht so, dass das S4 über das bislang Vorhandene hinausschießt, sondern eher die Grenzen offenkundig vorführt. Es bricht mit der Utopie von ständig schnellerer und besserer Hardware. Schon längst geht es nicht mehr nur um reine Rechenpower, sondern um innovatives Design und bahnbrechende, alltagsumwälzende Software. Und diesem Anspruch kann das ab 729 € erhältliche Samsung Galaxy S4 nur teilweise gerecht werden.
Außen nix neues
Die technischen Innovationen des S4 spielen sich freilich nicht auf Hardwareebene ab. Wie erwartet gab es im Vergleich zum Vorgängermodell Galaxy S3 einen Speed bump, ein größeres Display und eine verbesserte Konnektivität. Das sind alles keine Überraschungen, schließlich ist das Motto „Schneller, größer, länger“ kein unausgesprochenes in der Smartphone-Entwicklung. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Hardware-Facts während der Präsentation kaum zur Sprache kamen und sich an zwei Händen abzählen lassen:
- Quad-Core Prozessor wahlweise mit 1,9 Gigahertz (Qualcomm Snapdragon) oder mit 1,6 Gigahertz (Exynos 5 Octa)
- LTE, WLAN mit neuestem AC-Standard
- 4,99 Zoll Super-AMOLED-Display mit Full HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel)
- 13 Megapixel-Kamera hinten und 2 Megapixel-Kamera vorne
- 2 Gigabyte Arbeitsspeicher
- Interner Speicher von 16, 32 oder 64 Gigabyte, erweiterbar durch microSD-Karten
- Wechselbarer Akku mit 2.600 Milliamperestunden
- Maße: 136,6 x 69,8 x 7,9 Millimeter
- Gewicht: 130 Gramm
- Betriebssystem: Android 4.2.2 Jelly Bean
Allenfalls der neue WLAN-Standard AC scheint mit einer maximalen Übertragungsrate von 1Gigabyte pro Sekunde eine wirkliche Neuerung zu sein, alles andere ist eher erwarteter Bonus. Beim Design enttäuscht das Samsung Galaxy S4 leider, hatte sich die Smartphone-Gemeinde doch auf ein schickes Neudesign erfreut, wie die Mockups von appdated oder androidpit im Vorfeld der Präsentation zeigten. Das Smartphone des südkoreanischen Herstellers besteht weiterhin aus Plastik und gleicht vom Äußeren nahezu seinem Vorgänger. Lediglich ein dezenter Metallrand und eine etwas geringere Dicke zeugen von einer Entwicklung. Nein, die innovativen Neuerungen, mit denen Samsung wirbt, liegen gänzlich woanders.
Software-Features wohin das Auge reicht
Das Galaxy S4 strotzt nur so vor neuen Softwarekniffen. Einige sind zweifelsohne nützlich, wie der ins System integrierte Übersetzer S Translator oder die neuen Kamerafunktionen Dual Camera und Sound & Shoot, mit denen sich Front- und Back-Kamera gleichzeitig ansteuern sowie Fotos und Videos mit einem Audiokommentar bereichern lassen. Andere Features sind wohl kaum mehr als Spielerei. Group Play, das mehrere Samsung S4-Geräte synchron ein und dasselbe Lied oder Video abspielen lässt, mag zwar nett sein, aber kaum ein brauchbares Alltagsfeature. Schließlich wird das S4 als ein „täglicher Lebensbegleiter“ beworben und verfolgt etwa mit S Health die Gesundheit seines Nutzers: Gewicht, Blutdruck sowie aufgenommene und verbrannte Kalorien… stets kann man diese schönen oder auch unschönen Zahlen im Blick behalten. Ob man das auch will, ist hier die andere Frage. Genauso innovativ mögen einige andere Funktionen klingen: wie Smart Scroll, das Scrollen nur durch ein Kippen oder Drehen des Smartphones steuern soll; wie Air View, mittels dessen der Nutzer einfach über dem Display umherfuchtelt und damit Eingaben tätigt, ohne dass das Display selber berührt wird; oder Smart Pause, das ein Video stoppt und wieder weiterspielt, wenn der Nutzer vom Telefon weg und wieder zurück schaut. Zweifelsohne innovativ, doch die Anfälligkeit für Fehler oder ungewollte Eingaben muss über die Praktikabilität entscheiden.
Stellt sich nur die Frage, ob diese Funktionen nur Spielereien sind oder sich auch im Alltag bewähren können. Doch womöglich ist das auch gar nicht weiter relevant. Geht es vielleicht nur um einen Entwicklungsvorsprung, auf den Samsung setzt? Scheinbar vergessen sind die Smartphone-Boliden Google Nexus 4 und Sony Xperia Z. Das S4 steht mit dem schicken Alu-Unibody HTC One an erster Stelle der neuen Generation von Smartphones des Jahres 2013. So wie einst Apple mit seinen iPhones immer die Richtung in Sachen Design- und Softwareinnovation vorgab, weist nun das S4 jenes Potential auf, zumindest softwareseitig die Benutzung von Smartphones grundlegend zu revolutionieren… und das Unternehmen aus Cupertino, das erst vor einem halben Jahr das iPhone 5 veröffentlichte, sieht sich jetzt unter Zugzwang.
Und wo bleibt Apple?
Apple lässt es sich jedenfalls nicht nehmen, subtil auf die Schwächen des S4 hinzuweisen. Kurz nachdem Samsung sein neues Flaggschiff vorstellte, bewirbt Apple sein iPhone 5 mit einer neuen Werbekampagne, die nicht ohne einen anklagenden Unterton daher kommt –eine Retourkutsche auf Samsungs frühere Tendenz, Apples Innovationen, wie Siri, zu kopieren? So heißt es seit Samstag auf der US-Website von Apple: „There’s iPhone. And then there’s everything else.“
Derzeitig ist die Gerüchteküche heftig am brodeln. Es gelten momentan gleich drei iPhone-Releases für das nächste halbe Jahr als nahezu gesichert. Bereits im Juni soll das iPhone 5S die Ladentische stürmen, zugleich stehen ein iPhone-Budget und ein iPhone 6 bereits in den Starlöchern für einen Release gen Jahresende. Bereits jetzt ist unklar, welche angenommenen Features zu welchem Gerät gehören… um im Bild zu bleiben: Die (Gerüchte-)Suppe schwappt nur so über und die Köche wissen in all ihrer Verwirrung nicht, mit welchem Topf sie diese auffangen sollen.
Nur ein schnelleres iPhone 5S und ein Budget-iPhone?
Auch wenn sich viele mehr wünschen, das voraussichtlich im Juni erscheinende iPhone 5S soll keine wesentlichen Änderungen mit sich bringen. Die Leaks zum Produktionsstart seit Anfang März zeigen jedenfalls kein neues Design. Vermutlich wird es daher ein kleines Update werden, wie macerkopf meint: ein schnellerer A7-Chip, mehr Arbeitsspeicher, eine Speichererweiterung auf max. 128GB, eine verbesserte 13 Megapixel-Kamera sowie ein verbesserter LTE-Chip mit einem breiterem Frequenzspektrum – und das wäre auch schon das höchste der Gefühle.
Zwar schreibt macerkopf auch, dass es das iPhone 5S ähnlich dem iPod Touch in verschiedenen Farben geben soll. Marktanalyst Ming-Chi Kuo verrät laut Appleinsider jedoch, dass die Farbkleckser dem später erscheinenden iPhone-Budget vorbehalten sein werden. Dies entspräche auch eher der Apple-Strategie, mit einem farbenfrohen Consumer-Produkt preisbewusste Käufer anzulocken und den Markt der Mittelklasse-Smartphones zu erschließen. Wie das iPhone 5S soll die Budget-Variante ein 4 Zoll Display, jedoch kein Retina-Display erhalten. Dank eines superdünnen aber stabilen Gehäuses aus Plastik und Fiberglas soll ein günstiger Preis von rund 300 Euro ermöglicht werden. Damit könnte sich Apple in dem Preissegment des Google Flaggschiffs Nexus 4 positionieren. Besonders attraktiv wäre das iPhone-Budget daher für die Schwellenmärkte China und Lateinamerika. Einige Quellen berichten sogar, dass das günstige iPhone nur in diesen Ländern erscheinen soll.
Apple in Lauerstellung mit dem iPhone 6?
Das klingt zunächst wenig aufregend und eher nach einer halbherzigen Verteidigungsstrategie… wie ein Tour de France-Rennfahrer, der erst einmal nur locker mitfährt und später beim Endspurt davonrast. Und wo bleibt das „Killer-Feature“, das laut Katy Huberty von der Morgan Stanley-Bank mit dem nächsten iPhone erscheinen soll? Vermutlich ist das für das iPhone 5S/Budget eher Wunschmusik. Viel wahrscheinlicher halte ich die Einführung neuer Features bei Apples Smartphone der übernächsten Generation zum Jahresende. Im Netz kursieren dutzende Gerüchte über ein solches Feature. Einige User, auch Analysten, gehen davon aus, dass der physische Home button einem kapazitiven Touchbutton mit Fingerabdrucksensor weichen soll. Weiter im Gespräch sind ein 4,8 Zoll Display aus Gorilla Glas 3, kabelloses Aufladen via Qi-Standard oder auch ein innovatives und einzigartiges Gehäuse aus Liquid Metal. Letzteres soll nicht nur weitaus stabiler und weniger kratzanfällig sein, sondern auch ganz neue Möglichkeiten für die Rückseite bieten, etwa eine Kamera, die sich im Apple-Logo versteckt. Dass Apple bereits in die Liquid-Metal-Technologie investiert, ist zwar ein gutes Zeichen, muss jedoch für die anstehenden iPhone-Releases nichts bedeuten. Schließlich ist Apple ja dafür bekannt, viele Patente zu kaufen, die entweder gar nicht oder erst zu einem weitaus späteren Zeitpunkt umgesetzt werden.
Software im Wandel
Diese imposanten Features klingen noch allzu sehr nach Zukunftsmusik – anders so der bevorstehende Wandel des iOS-Betriebssystems. Sollte der Home button tatsächlich wegfallen, so muss ein neues Bedienkonzept her. Eine Konzeptstudie schlägt neben einem neuen Interface auch eine innovative Gestensteuerung vor. Andere Quellen berichten von größenvariablen Icons und Widgets. Dass sich etwas ändern wird, scheint zumindest recht sicher. Schließlich muss Apple nicht nur softwareseitig aufholen, nachdem das Samsung Galaxy S4 mit vielen Neuerungen vorgelegt hat, ein Wandel scheint auch unumgänglich zu sein, nachdem Scott Forstall gefeuert wurde und Jony Ive die Führung der iOS-Entwicklung übernommen hat.
Das Jahr 2013 verspricht jedenfalls gehörige Umwälzungen im Smartphone-Bereich: Samsung und HTC kämpfen sich an die Spitze und die Gerüchte besagen, dass Apple seine etablierte Strategie aufgibt und die Smartphone-Palette erweitert. Kommt mit dem iPhone-Budget womöglich doch das von der Fangemeinde jahrelang ersehnte iPhone Mini? Das war noch vor einem Jahr undenkbar… andererseits genauso undenkbar waren schließlich auch das Apple „Netbook“, aka Macbook Air 11 Zoll, und das iPad Mini. Es bleibt also spannend.
Welche Features wünscht ihr euch und wie wird eurer Meinung nach Apples Aufstellung im Smartphone-Bereich für das Jahr 2013 aussehen?




Meiner Meinung nach muss Apple an der Hardware nicht viel ändern – die Geräte sind immer noch weit aus eleganter als 95% der anderen Smartphones.
An iOS müsste allerdings dringend etwas geändert werden, im Vergleich zu Android oder auch anderen Systemen wirkt alles ein wenig angestaubt.
Das iOS mehr könnte, wenn man es nur ließe beweisen alleine schon die Zahlreichen Jailbreak Tweaks. Verstehe nicht warum Apple da so einiges abschaut.
Wäre ich nicht in diesem Apple Ökosystem (Mac, iPad) „gefangen“ (was auch seine Vorteile hat) , könnte ich beim HTC One schon schwach werden…